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Wir nennen es Politik: Ideen für eine zeitgemäße Demokratie

Tekijä: Marina Weisband

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Alte Männer in grauen Anzügen sitzen in Hinterzimmern und reden über Dinge, von denen sie insgeheim oft überfordert sind. Sie treffen Entscheidungen, die denen nützen, deren Einfluss am größten ist. Das ist Demokratie in Deutschland 2012. Marina Weisband zeigt, dass es auch anders gehen kann: verständlich, ehrlich, menschlich und direkt. Marina Weisband führt in »Wir nennen es Politik« vor Augen, dass Demokratie mehr Beteiligung fordert. Sie ist aufgewachsen in der untergehenden Sowjetunion, jüdischen Glaubens und im Internet zuhause. Dort hat sie es als Selbstverständlichkeit erfahren, jederzeit die eigene Meinung zu sagen und dies auch zu nutzen, gehört zu werden und Dinge zu verändern. In ihrem Buch entwickelt sie Ideen für ein politisches Betriebssystem, das verantwortungsvolle aber nicht machthungrige Politiker und sich an der Demokratie beteiligende, mutige Bürger fordert: Nur so können die Herausforderungen der Demokratie bewältigt werden. Ein Plädoyer für die Politik und ein Aufruf zum Mitmachen.… (lisätietoja)
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Aristoteles warnte schon vor Jahrhunderten davor, die Macht Einzelner oder von Gruppen NICHT zu groß werden zu lassen, sei dies durch Geld oder Anhänger. Heute braucht man keine Anhänger mehr, wenn man Geld hat, jeder kann sich diese kaufen, inkl. unserer Politiker. Sie arbeiten in Hinterzimmern der Macht bzw. arbeiten für sich: Lobbygruppen schreiben der Einfachheit halber Gesetzestexte für unsere Volksvertreter, Abgeordneten selber. Warum sie soweit gekommen sind und ob wir selbst es anders machen würden. In diesem Buch werden Fragen wie diese beantwortet, nie aber anklagend, sondern immer verstehend, erklärend und offen legend.

Stuttgart 21 hat es vorgelebt: Politik heute braucht Beteiligung. Immerhin werden Gesetzesvorhaben in Baden-Württemberg demnächst ins Netz gestellt, mit der Möglichkeit für jeden Bürger, eine Stellungnahme dazu abzugeben. Aber das reicht lange noch nicht. Aus diesen Formulierungen müssen Optimierungen entstehen, Anpassungen/Mitspracherechte zum Wohl des Volkes. Wie dies im Einzelnen gehen könnte, welche Maßnahmen wichtig sind, es steht in diesem bemerkenswerten Buch, das ich sehr empfehle.

Wenn sie nicht nur Vorformulierungen anderer denken wollen, Vorurteile wiederkäuen an immer gleich lautenden Stammtischen oder Verwandlungen dieser Argumente in Abertausende von Satzsynonymhüllen, dann sollten Sie zu diesem Buch greifen. Hier formuliert eine bemerkenswert kluge junge Frau im Grunde das Manifest für eine neue Bürgerbewegung, die uns alle angeht. Hier entwickelt eine praktisch denkende und doch in den Weiten des Netzes sich auskennende, verantwortliche Person jene Gedanken, auf deren Spur jeder das erleben könnte, was in Zukunft notwendig ist: eigenständiges, selbstverantwortliches Denken.

„Damit wir uns nicht gegenseitig die Köpfe einschlagen, haben wir die Kommunikation entwickelt, die komplex genug ist, um uns auf Kompromisse und Regeln zu einigen. Wenn alle Seiten die die Grenzen achten, müssen sie nicht ständig darum kämpfen. Und wir müssen begreifen, dass am anderen Ende des Chats auch ein Mensch sitzt, der Emotionen hat. Wir müssen für uns Regeln aufstellen...Das sind Fragen des Umgangs, nicht der Infrastruktur selbst...Mir geht es besonders aber um Menschen, die nicht Mitglied einer Partei sind. In Wirklichkeit lastet die Verantwortung jetzt auf ihren Schultern. Denn eine gesellschaftliche Veränderung ist nicht Sache derer dort oben. Eine gesellschaftliche Veränderung betrifft alle, man muss sie nur wollen."

Politik morgen ist Mitbestimmung, ist Interesse und der Wille, sich in Sachverhalte einzudenken, mögen uns die Politiker auch jegliche Mündigkeit abgesprochen haben. Menschen vorn morgen hören auf, sich bevormunden zu lassen, sie entscheiden mit, weil sie erkannt haben, dass es ohne diese Mitsprache schlechter wird, weil ansonsten Lobbygruppen Zusammenhänge zu ihren eigenen Gunsten entscheiden. Der eigentliche Bürger ist ohne Lobbygruppe, dieses Buch verschafft ihm den Zugang, den Mut, die Idee dafür.

Besonders interessant und erhellend fand ich die Passage, in der Frau Weisband erklärt, wie sich aus einem Dorf Politik entwickelt und immer weiter spinnt, von der Brücke zum Nachbarort bis zu allen weiteren Entscheidungen. Ebenso erhellend der Bericht aus ihrer Kindheit und die Auswanderung nach Deutschland, die einen Blick erlaubt hinter jene Fassaden, die man oft hört, wenn von MIgranten aus Russland etc. die Rede ist. Ein Kind möchte nicht auswandern, es liebt die Heimat und Frau Weisband ging es nicht anders. Die entstehenden Leiden, aber auch Freuden, die Lese- und Mitdenkkultur ihres Elternhauses - mehr noch als alles andere ist das Elternhaus prägend für Wissen, Können und den Umgang mit anderen.

Noch liegen zwischen Anspruch und Wirklichkeit Welten, aber genau deshalb ist dieses Buch wichtig. Es entwirft eine positive Utopie und das Netz kann Entscheidungen heute schneller realisieren als Träume vor 5 Jahren. Stabile Regeln für alle, dynamische Prozesse zur Erosion von zu viel Macht und Transparenz für alle politischen Willensbildungen - es wäre so schwer, aber auch so einfach. Denn es bedingt den Abschied vom alten Untertanengeist und auch von der Erwartungshaltung, der andere (Politiker, Bürgermeister etc.) wird es schon richten. Schafft er eben nicht, es bedarf der Toleranz und des Fehler-Verzeihens von allen für alle - denn alle machen Fehler. ( )
  Clu98 | Mar 17, 2023 |
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Alte Männer in grauen Anzügen sitzen in Hinterzimmern und reden über Dinge, von denen sie insgeheim oft überfordert sind. Sie treffen Entscheidungen, die denen nützen, deren Einfluss am größten ist. Das ist Demokratie in Deutschland 2012. Marina Weisband zeigt, dass es auch anders gehen kann: verständlich, ehrlich, menschlich und direkt. Marina Weisband führt in »Wir nennen es Politik« vor Augen, dass Demokratie mehr Beteiligung fordert. Sie ist aufgewachsen in der untergehenden Sowjetunion, jüdischen Glaubens und im Internet zuhause. Dort hat sie es als Selbstverständlichkeit erfahren, jederzeit die eigene Meinung zu sagen und dies auch zu nutzen, gehört zu werden und Dinge zu verändern. In ihrem Buch entwickelt sie Ideen für ein politisches Betriebssystem, das verantwortungsvolle aber nicht machthungrige Politiker und sich an der Demokratie beteiligende, mutige Bürger fordert: Nur so können die Herausforderungen der Demokratie bewältigt werden. Ein Plädoyer für die Politik und ein Aufruf zum Mitmachen.

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